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Die älteste Holocaustüberlebende der Welt

Jun 28, 2013

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Alice Herz wurde in Prag geboren 1903. Sie wuchs mit fünf Geschwistern auf. Es handelte sich um eine hoch-intellektuelle Familie, die unter anderem mit Franz Kafka befreundet war. Die Leidenschaft, die Alice schon früh entdeckte, war die Musik. Sie startete als Kind und übte Stunden über Stunden jeden Tag. Im Elternhaus gab es oft Konzerte, zu denen viele ihrer Freunde kamen. Sie spielte von ganzen Herzen gerne und lernte ein Stück, nach dem anderen auswendig. Sie wurde bald von einem bekannten Lehrer unterrichtet und gab ihr Debüt in Prag.

1931 heiratete sie Leopold Sommer, ebenfalls ein begabter Musiker. Sie bekamen einen Sohn – Stephan. Bald darauf begannen die antijüdischen Gesetze in Kraft zu treten. Alice, die Klavierunterricht gab, durfte keine Arier mehr unterrichten. Ihr Mann bekam ebenfalls Berufsverbot und ein Teil der Familie reiste nach Palästina aus. Das Geld reichte nicht für alle, um das Land zu verlassen.

Alices Mutter wurde 1942 abtransportiert. Ein Schicksalsschlag für Alice. Sie konnte nicht mehr spielen und fiel in eine tiefe Verzweiflung. Keiner war in der Lage ihr zu helfen. Eines Tages irrte sie durch die Straßen Prags, da hörte sie plötzlich eine innere Stimme: „Übe die 24 Etüden – das wird dich retten!“ Chopins Etüden sind an der Grenze des Spielbaren und kaum jemand wagte sich daran, alle Etüden, in einem Konzert zum Besten zu geben. Lediglich eine Auswahl davon. Alice übte nun täglich, über Stunden, die Etüden von Chopin. Sie wurde mit ihrem Mann im Juli 1943, nach Theresienstadt abtransportiert.

Theresienstadt war ein Vorzeigelager und wurde für Propagandafilme verwendet. Daher gab es auch eine Abteilung „Freizeitgestaltung“, im Zuge dessen, ließ man Insassen Konzerte veranstalten.
Das rettete Alice und ihrem Sohn das Leben.

Sie spielte viele Konzerte. Unter anderem gab sie Konzerte in denen sie alle 24 Etüden von Chopin spielte. Überlebende berichteten über diese Konzerte: „Sie hat uns durch die Musik, aus der Realität des Lagers entrissen und in den Himmel versetzt.“. Auch ihr Sohn war sehr musikalisch und spielte in der Kinderoper „Brundibar“. Das Bild zeigt eine Aufführung für den NS-Propagandafilm, 1944. Ihr Mann wurde von Theresienstadt, nach Ausschwitz gebracht. Zum Abschied, musste sie Ihm versprechen, sich nicht freiwillig zu melden, um ihm nachzukommen. Die Deutschen verschickten erst die Männer und gaben danach den Frauen die Gelegenheit, sich freiwillig zu melden, um mit ihren Männern wieder vereint zu werden. Viele Frauen meldeten sich, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen, aber sie sollten ihre Männer nie wieder sehen und fanden ebenso den Tod, wie diese. Alice meldete sich nicht – sie hörte auf ihren Mann und hielt ihr Versprechen und blieb am Leben.

 

Nach dem Krieg ging sie zurück nach Prag. Das Leben dort, war nicht mehr was es war und noch immer gab es Feindschaft gegen die Juden, die zurückkamen. Da sich ein Teil der Familie in Israel befand und ihre Schwester darauf drängte, wanderte sie 1949 nach Israel aus. Samt ihren Steinway-Flügel. Sie lebte viele Jahre in Jerusalem – eine Zeitlang, auch zusammen mit Sonja (die Dame die mich angerufen hat). Ihr Sohn wurde ein erfolgreicher Cellist. Er ging in späterer Folge nach London. Alice folgte ihm, im Alter von 85. Mittlerweile waren ihre Geschwister in Israel gestorben. Sie hatte nicht mehr geheiratet und der Abschied von Israel viel ihr schwer. Jedoch wollte sie mit ihrem Sohn und ihren Enkelkindern zusammen sein. Seither lebt sie in London, in einer kleinen Wohnung. Ihr Sohn ist vor einigen Jahren gestorben. Sie sagte: „Das einzige Mal, dass mein Sohn mir Kummer bereitete, war, als er starb.“ Sie spielt immer noch, mehrere Stunden, jeden Tag, auf ihrem Klavier.

 

 

Ich weiß um das Schlechte,
aber ich schaue auf das Gute.

Alice Herz Sommer, Pianistin und älteste lebende Holocaustüberlebende

 

 

Ihre Lebensanschauung und Einstellung ist bemerkenswert. Vielleicht hat Ihr, gerade ihre einfache und liebenswerte Art, ihre Gutherzigkeit und Freude an allen Dingen, so ein langes Leben beschert. Hier noch ein paar Aussprüche von Ihr – aus dem Buch:

„Ich gebe die Hoffnung niemals auf“
(Hundert Jahre Weisheit aus dem Leben von Alice Herz Sommer)

 

 

 

 

 

 

 

„Ein Sinn für Humor hält uns in allen Lebenslagen im Gleichgewicht,
selbst wenn wir mit dem Tod konfrontiert sind.“

„Jeder Tag ist ein Wunder. Egal wie schlecht meine Lebensumstände sind – ich habe die Freiheit, meine Einstellung zum Leben zu wählen und Freude darin zu finden. Es liegt an uns, wie wir mit dem Guten und dem Schlechten umgehen. Niemand kann uns diese Macht entreißen.“

„Angst lässt uns kapitulieren, Mut gibt uns eine Chance.“

„Liebe die Arbeit! Wenn du deine Arbeit liebst, ist dir nie langweilig.
Langeweile ist ungesund.“

„Ich habe gelernt, mit Hoffnung voran zu gehen.“

„Erst im hohen Alter, erkennen wir die Schönheit des Lebens.“

„Wir brauchen keine Dinge, Freunde sind wertvoll.“

„Dankbarkeit ist unbedingt notwendig, um glücklich zu sein.“

„Sei freundlich. Freundlichkeit kostet dich nichts, und jeder zieht Gewinn daraus.“

 „Lachen ist wunderbar. Es macht dich glücklich und die anderen auch.“

„Hass frisst die Seele des Hassers, nicht des Gehassten“.

„Verlange niemals zu viel im Leben. Es genügt, wenn du ein wenig mehr hast, als du brauchst. Wenn du stirbst, kannst du nur das, was du anderen Menschen gegeben hast, mitnehmen.“